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Ende letzten Jahres schrieb mir eine Kundin, sie möchte ihr Webhosting kündigen. Sie brauche ihre Website nicht.

Sie hat eine schöne, moderne Website. Vor noch nicht allzu langer Zeit erstellt, und von ihr selbst aktualisierbar (und das nutzt sie auch, wie ich gesehen habe). Was also hat sie zu diesem Schritt bewogen? Ist sie sich überhaupt klar, wie endgültig diese Entscheidung ist?

Die Kundin ist leider kein Einzelfall. Jeden Tag werden Websites gelöscht, weil ihre Besitzer von den Ergebnissen enttäuscht sind.

Wenn Sie auch überlegen, ob Sie Ihre Website überhaupt brauchen, lesen Sie bitte unbedingt erstmal diesen Artikel.

Überlegen Sie sich das genau!

Eine Website zu kündigen ist eine endgültige Entscheidung, die reiflich überlegt sein möchte.

Innerhalb von Sekunden ist alles gelöscht:

  • die Website,
  • Ihr Domainname,
  • Ihre Google-Position,
  • eventuell auch Ihre E-Mail Adresse.

Vieles davon lässt sich nicht rückgängig machen. Während die Struktur der Website meist schnell wiederhergestellt werden kann, sind Zugriffsdaten, und je nach Art Ihrer Website Texte und Bilder, Kommentare usw. schwerer bis gar nicht zu rekonstruieren (nur wenn direkt vorher noch eine Sicherung durchgeführt wurde). Ihr Domainname kann sogar direkt nach Freigabe von jemand anderem reserviert werden, und ist dann vielleicht für immer weg.

Und noch etwas gibt es zu bedenken: Wenn Sie Ihre Website auf Visitenkarten, Firmenschild, Geschäftspapier und ähnlichen Medien veröffentlicht haben, müssen Sie immer damit rechnen, dass jemand tatsächlich versucht, diese Website zu besuchen! Wie unprofessionell wirkt es, wenn dort, wo Ihr Interessent nähere Infos vermutet, gar nichts mehr existiert? Oder noch schlimmer – Ihr Konkurrent hat inzwischen Ihre Domain eingeheimst und sahnt nun auch noch Ihre Interessenten ab. Sie müssten also Ihren übrigen Firmenauftritt entsprechend aktualisieren – und auch das kostet wieder Geld!

Zunächst einmal: Was führt Sie zu dieser Entscheidung?

Im Vordergrund steht bei der Überlegung, alles (webmäßig) hinzuschmeißen, meist einer dieser beiden Gründe:

  • die Website macht zu viel Arbeit,
  • die Website kostet zu viel Geld.

Ich denke, hier lassen sich zwei Fälle unterscheiden:

Fall 1 – die Website ist total veraltet.

Eine Überarbeitung oder gar Neuerstellung wäre teuer oder aufwändig, meist sogar beides.

Hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Was heißt das eigentlich – die Website ist veraltet? Ist sie kaputt, inhaltlich veraltet, braucht einen neuen optischen Anstrich oder soll sie neue Ziele verfolgen? Nicht immer muss eine Website komplett neu erstellt werden.

Dann brauchen Sie eine Kosten-Nutzen-Aufstellung. Wie hoch ist der Aufwand der Überarbeitung und steht er im Verhältnis zum Nutzen? Ist es wirklich besser, die Website komplett einzustampfen als sie behutsam und zielgerichtet zu erneuern?

Fall 2 – die laufenden Kosten oder die regelmäßig aufgewandte Zeit sind viel zu hoch

und durch die Ergebnisse, die über die Website kommen (Kundenanfragen, Aufträge), in keiner Weise gerechtfertigt.

Humbug. Denn die anfallenden jährlichen Kosten und der geringe Bearbeitungsaufwand stehen fast immer in absolut keinem Verhältnis zu den Herstellungskosten der Website. Soll heißen: Wenn Sie wegen 70 Euro Webhosting-Kosten im Jahr Ihre Website kündigen, löschen Sie gleichzeitig die 1000 Euro Investition, die diese vielleicht mal gekostet hat (von der Zeit will ich jetzt gar nicht sprechen). Und Ihre Domain sowie die Google-Position, die Sie sich schon erarbeitet haben, beides unbezahlbar.

Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen. Wenn Sie eine Website gemietet haben, sind die laufenden Kosten vielleicht tatsächlich so hoch, dass sie nicht zu rechtfertigen sind. In den meisten Fällen, die ich kenne, ist das aber nicht der Fall.

Übrigens kenne ich keine Branche, in der ich sagen würde – okay, hier kann man wirklich getrost auf eine Website verzichten. Oder fällt Ihnen eine Branche ein, die ohne Marketing auskommt?

Was haben Sie denn erwartet?

Nicht selten sind völlig falsche (oder unklare) Erwartungen der Grund für die große Enttäuschung. Aus Frust wird dann der Schnellschuss gemacht – Website weg, bringt doch eh’ nix.

Wenn ich mit Kunden darüber spreche, was sie von ihrer Website erwarten, ernte ich oft Ratlosigkeit. Ja, was eigentlich? Neue Aufträge. Okay. Wie viele? Welcher Art? Werden überhaupt konkrete Angebote auf der Website gemacht, die diese Aufträge forcieren?

Oder sie haben das Gefühl, dass die Website nicht besucht wird. Woran machen Sie das fest? Es kommen keine Nachrichten über’s Kontaktformular.

Uh, Vorsicht! Es ist keinesfalls ein Indiz dafür, dass Ihre Website nicht besucht wird, wenn darüber keine direkten Anfragen kommen. Sie haben doch sicher eine Telefonnummer auf der Seite angegeben? Viele Interessenten rufen lieber an. In den meisten Fällen wissen Sie gar nicht, ob ein neuer Interessent vor der Kontaktaufnahme auf Ihrer Website war und sich über Sie informiert hat. Vielleicht hat er nur Kontakt aufgenommen, weil er eine entscheidende Information auf Ihrem Internetauftritt gelesen hat, die ihn überzeugte. Das gilt insbesondere, wenn Sie ein Ladengeschäft, Reisebüro oder eine Praxis betreiben.

Die einzige Möglichkeit, zu ermitteln, ob eine Website tatsächlich nicht besucht wird, ist eine Besucherstatistik (Tracking-Tool). Leider setzt die Kundin (trotz Empfehlung von mir) keines ein.

Alles wegschmeißen – wirklich die Lösung?

Die Website zu kündigen sollte immer der letzte Schritt sein, wenn es wirklich nicht mehr anders geht. Nein, eigentlich kann ich das so nicht stehen lassen. Denn wenn es wirklich so weit ist, dass Sie sich die laufenden Kosten einer fertig erstellten Website nicht mehr leisten können, sollten Sie dringend Hilfe holen! Dann ist irgendetwas an Ihrem Business nicht in Ordnung.

Was anderes ist es natürlich, wenn Sie Ihr Unternehmen oder einen Unternehmenszweig aufgeben, oder in ein anderes Land umziehen – die bisherige Zielgruppe also wegfällt. Das ist aber sehr, sehr selten.

Es gibt viele Alternativen: Die einfachste ist, alles zu lassen, wie es ist. Alle anderen erfordern einen genaueren Blick – was ist nicht in Ordnung, was möchte ich ändern? In der Regel steht die Bestandsaufnahme (also Besucherstatistik) und Zieldefinition am Anfang. Wo stehe ich und wo will ich hin? Nicht immer sind Marketing-Maßnahmen unbedingt gleichzusetzen mit “viel Geld in die Hand nehmen”.

Was meinen Sie dazu? Website löschen – kann es dafür triftige Gründe geben, die ich übersehen habe?

Themen: Lohnt sich das? | Noch kein Kommentar »