Zwei Interessenten hatten sich für ein Vorort-Gespräch angemeldet. Sie wollten sich erkundigen, wie das so mit einer eigenen Website geht. Was möglich ist und vor allem, wieviel es kostet.

Doch das Gespräch nahm gleich zu Beginn eine – für mich – unerwartete Wendung: “Die Website muss hochwertig gemacht sein. Wir wollen bei Google auf Platz 1 stehen. Sonst brauchen wir das gar nicht erst anfangen. Können Sie sowas?”

In diesem kleinen Statement stecken so viele Dinge, dass ich ein bißchen gerudert habe, um alles in ein (Erst-)Gespräch und jetzt in einen Artikel zu packen.

Jaaaaa, ich kann das, aber …

Vorweg: Es geht hier nicht darum, wie Sie auf Platz 1 bei Google kommen. Sondern ich möchte hier diejenigen, die auch so denken, ein bißchen zurück in die Realität holen und dazu ermuntern, nachzudenken und genauer zu formulieren, wo Sie eigentlich hin wollen.

Hochwertig » Platz 1 bei Google (?)

Ein bißchen kratzte die Frage an meiner Ehre. Ja, ich mache hochwertige Websites. Nein, nicht jede von ihnen ist bei Google auf einem ersten Platz zu finden.

Denn leider ist es nicht so, dass hochwertige Websites automatisch bei Google auf Platz 1 landen.

Eine hochwertige Website ist nicht automatisch gut positioniert, da gehört noch mehr dazu. Es ist eine notwendige Voraussetzung, jedenfalls in den meisten Branchen,  jedoch noch keine hinreichende Bedingung.

Umgekehrt ist eine schlecht positionierte Website nicht automatisch minderwertig. Sie ist vielleicht einfach noch zu jung oder zu klein. Und außerdem ist “schlecht positioniert” auch noch sehr subjektiv, da gehe ich gleich nochmal drauf ein.

Vielleicht haben die Interessenten das auch anders gemeint. Die Website muss hochwertig genug sein, um Platz 1 bei Google erreichen zu können. Ich trage immer meinen Teil dazu bei, weitaus wichtiger als der technische Aspekt sind aber die Inhalte der Website für eine gute Positionierung. Und das ist fast immer Aufgabe des Website-Inhabers, wobei er sich hier natürlich Unterstützung holen kann.

Was bedeutet das eigentlich – Platz 1?

Ein Gutes hat die Sache – die Interessenten haben konkrete Vorstellungen davon, wo sie hin wollen. Nämlich auf Platz 1.

Leider ist dieses Ziel jedoch zu unklar formuliert. Was bedeutet das denn, Platz 1?

Google hat nicht die Seite 1. Es gibt viele erste Seiten, und zwar zu jeder Suchanfrage eine neue (die sich zudem auch noch ständig ändert). Es ist nicht sinnvoll, und auch gar nicht möglich, bei jeder Suche auf Seite 1 zu stehen.

Sinnvoll ist es nur für relevante Suchanfragen, die nämlich auch etwas mit dem Thema meiner Website zu tun haben. Und auch hier genügt es bereits, bei einem Bruchteil der Anfragen auf der ersten Seite zu stehen. Für die meisten Websites reicht es bei der Masse an Anfragen sogar aus, für einen einzigen Begriff sehr gut positioniert zu sein (obwohl die Website-Betreiber das oft anders sehen).

Hier ginge also noch etwas anderes voraus – für welchen Begriff oder welche Keywords möchte ich mit meiner Website auf dem ersten Platz stehen?

So gesehen kann Ihnen jeder versprechen, er bringe Sie mit Ihrer Website auf Platz 1. Er braucht nur ein neues Wort erfinden und Ihre Website darauf optimieren. Und schwupps, sind Sie für dieses Wort der beste Treffer. Aber ob es das ist, was Sie wollten?

Und muss es wirklich der erste Platz sein? Oder reicht der zweite oder der dritte auch aus?

Und noch was – in welchem Zeitraum wollen Sie das schaffen? Innerhalb eines Jahres, oder denken Sie langfristiger?

Ja, es ist zu schaffen

Auch für “ordentliche” Suchbegriffe. Aber nicht mit einem Fingerschnippen. Es gibt Milliarden Websites. Jede will auf Platz 1. Viele versuchen es schon viel länger und haben damit deutlichen Vertrauens- und auch Wissens-Vorsprung. Viele haben ein weitaus größeres Budget und damit die besseren Möglichkeiten.

Zudem ändert sich die Positionierung auch noch ständig, beinahe stündlich.

Ja, es ist machbar. Aber ich will es nicht verschweigen – es kostet Zeit oder / und Geld. Und es kann dauern.

Es ist ein Prozess, kein Projekt. Es ist immerwährende Arbeit, stetiges Anpeilen, Agieren, Prüfen und Justieren.

Langfristig gesehen kann die Investition sich durchaus lohnen. Hier ist dann genau zu prüfen – was will ich (monetär) erreichen und wieviel will ich langfristig investieren (regelmäßig). Kann ich mir vorstellen, anfangs auch etwas mehr reinzubuttern?

Wenn Sie ein kleines Budget haben, weil Ihre Website nur begrenzten Umsatz generieren kann, dann suchen Sie sich am besten eine Nische. Einen Suchbegriff, der selten eingegeben wird, aber oft genug, damit Sie hin und wieder einen Auftrag bekommen, der aber auch wenig umkämpft ist und Sie gegen weniger Konkurrenten in Wettstreit treten. Gute Vorarbeit zahlt sich aus.

Sinnvolle Alternativen suchen

Im genannten Fall tendierte man zur eigenen Website, weil die eines Partners, über die man bisher verkaufte, gefühlt zu selten gefunden wurde.

Es selber besser zu machen, ist ein guter Ansatz, aber es lohnt sich hier auch zu prüfen, ob es nicht noch andere Alternativen gibt.

Das Ziel ist ja nicht Google, sondern das Ziel ist, Umsatz zu generieren. Leistungen oder Produkte zu verkaufen, Kunden zu gewinnen. Suchmaschinen-Optimierung ist nur eine von tausenden Möglichkeiten.

Offline-Werbung, Anzeigen schalten, auf anderen Websites und Portalen werben, beispielsweise. Oder Google Adwords.

Fast immer ist dann auch eine Website Voraussetzung, um einen gemeinsamen Anlaufpunkt für Interessenten zu haben, wo sie mit den nötigen Informationen versorgt werden und Kontakt aufnehmen können. Hier reicht aber oft eine kleine Website oder Web-Visitenkarte.

Oder wie wäre es im konkreten Fall, sich an den Optimierungskosten des Partners zu beteiligen und ihm bei einer besseren Positionierung zu helfen? Davon haben beide Seiten etwas, und man macht sich nicht gegenseitig Konkurrenz.

Fazit

Das sind alles keine Themen für ein (kostenloses) Erstgespräch. Ich finde, es ist zu wichtig, um da so Wischiwaschi drüber zu gehen. Jeder konkrete Fall, jede Branche ist anders.

Der eine bringt schon eine Website mit, der andere nicht. Dafür kann der andere gut schreiben, jede Woche drei Artikel – kein Problem. Das und vieles mehr spielt da mit rein.

Grundlagen kann man sich wunderbar in zahlreichen Internettutorials, Fachliteratur usw. anlesen. Und wer sich “reinhängt”, wer es ernst meint und sich kümmert, der wird auch irgendwann mit einem guten Platz belohnt.

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